CHEXX - Stadtmagazin für Berlin am Donnerstag, 24. April 2014
Party am 24.04.2014 um 19.00 Uhr
Hour House im Stereo 33
Theater und Bühne am 24.04.2014 um 19.30 Uhr
"Piaf" im Coupé Theater
Theater und Bühne am 24.04.2014 um 19.30 Uhr
Impro Berlin: Die DING Show im Distel Studio
Theater und Bühne am 24.04.2014 um 20.00 Uhr
Kunst gegen Bares im Grüner Salon in der Volksbühne
Party am 24.04.2014 um 20.00 Uhr
Swing & Wine im Frannz Club
Party am 24.04.2014 um 20.00 Uhr
Wunschmusik der 80er im Blond Cocktailbar
Livemusik am 24.04.2014 um 21.00 Uhr
Planet der Affen im Chesters Music Inn
Party am 24.04.2014 um 23.00 Uhr
Zigans Salon de lüxxx im Kaffee Burger
Livemusik am 25.04.2014 um
Eagulls im Magnet Club
Livemusik am 25.04.2014 um
La Pegatina im Postbahnhof
Livemusik am 25.04.2014 um
Shearwater im Privatclub
Theater und Bühne am 25.04.2014 um 16.00 Uhr
"Piaf" im Coupé Theater
Livemusik am 25.04.2014 um 20.00 Uhr
Tyske Ludder + Supports im K17
Livemusik am 25.04.2014 um 20.00 Uhr
Tyske Ludder + Schramm im K17
Livemusik am 25.04.2014 um 20.00 Uhr
Savoy Brown im Frannz Club
Livemusik am 25.04.2014 um 20.00 Uhr
Naked As We Came im Grüner Salon in der Volksbühne
Party am 25.04.2014 um 22.00 Uhr
"B" 4 UNI im Die Busche
Party am 25.04.2014 um 22.00 Uhr
Right Now – Disco Live! im Kesselhaus in der Kulturbrauerei
Party am 25.04.2014 um 22.00 Uhr
FRIDAY CLUB im K17
Party am 25.04.2014 um 22.30 Uhr
L-Tunes im SchwuZ
Party am 25.04.2014 um 23.00 Uhr
frannz-o-mat im Frannz Club
Party am 25.04.2014 um 23.00 Uhr
My Ugly X im SO36
Party am 25.04.2014 um 23.00 Uhr
Piep Show im KitKatClub
Party am 25.04.2014 um 23.00 Uhr
Unicocktail – die Studentenparty im Fritzclub im Postbahnhof
Party am 25.04.2014 um 23.30 Uhr
Rock Steady Ballroom im Grüner Salon in der Volksbühne
Interview
Interview mit dem Comic-Experten Eckart Sackmann
Drucken | | Veröffentlicht am 23. Juli 2008 | Ein Beitrag von Diana Sonnenberg | Erschienen bei CHEXX - Stadtmagazin Berlin - www.chexx.de
Eckart Sackmann ist einer der führenden deutschen Comic-Experten. Er veröffentlichte zahlreiche Bücher, darunter Mecki – Maskottchen und Mythos, Meisterwerke der Fantasy-Kunst und Die deutschsprachige Comic-Fachpresse. Seit 2005 publiziert er jedes Jahr den neuesten Band zur deutschen Comicforschung. Gemeinsam mit Peter Hörndl gründete er 1985 den Verlag Sackmann und Hörndl (comicplus+). Mehrere Auszeichnungen, wie beispielsweise der ICOM Independent Comic Preis 2005 und zahlreiche Artikel zur Comicforschung in nationalen und internationalen Comic-Fachzeitschriften, zeugen von seiner hochgradigen Stellung als Autorität in der Comic-Fachwelt. Für CHEXX hat er mit Diana Sonnenberg über Irrtümer in der Comic-Historie, den andauernden weltweiten Manga-Boom und die Zukunft des Comics gesprochen.

CHEXX Was macht für Sie die Faszination eines guten Comics aus?

Eckart Sackmann Wenn es ein belletristischer Comic ist: dass er den Leser gut unterhält. Wenn es eine Gebrauchsanweisung ist: dass sie praktisch funktioniert. Wenn es ein agitatorischer Comic ist: dass er den Leser überzeugt.

CHEXX Stimmt es, dass Sie selbst einmal Comics gezeichnet haben?

Eckart Sackmann Ja, schon während meines Kunststudiums (1969 - 74). Und auch wieder Anfang der 80er Jahre. Ich war aber zu faul, um das Zeichnen fortzusetzen.

CHEXX Wie entstand Ihr Interesse an der Comicforschung?

Eckart Sackmann Mich hat schon immer interessiert, wie wer wann welche Comics gemacht hat. Ich habe schon während meiner Tätigkeit für die erste Comixene über historische Comics geschrieben, später dann in RRAAH! und in den von mir verfassten Büchern.

CHEXX Wagen wir doch mal eine kurze Exkursion in die Geschichte des Comics: Bis etwa 1920 waren Comics, oder funny pages, wie sie damals genannt wurden, ausschließlich lustig. Welche Gründe gab es, dass sich bald auch politische und ernsthafte Comics durchsetzten?

Eckart Sackmann Für mich reicht die Geschichte des Comics – ich verwende dieses schreckliche Wort für alle Formen der Bild-Erzählung – sehr viel weiter zurück. Die ersten Comics waren überhaupt nicht komisch, und sie waren auch nicht für Kinder gedacht.

CHEXX Waren bzw. sind Comics gute Projektionsflächen, um auf gesellschaftliche und politische Probleme aufmerksam zu machen?

Eckart Sackmann Alles ist dafür eine gute Projektionsfläche, wenn man nur richtig projiziert.

CHEXX 1929 wurden Tim und Struppi erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Es folgten weitere äußerst bekannte franko-belgische Comics wie Spirou und Fantasio, Lucky Luke, die Schlümpfe und Asterix. Vergleicht man den Markt von damals mit heute, hat man das Gefühl, dass von den franko-belgischen Comics einzig Asterix und Lucky Luke die Zeitreise überlebt haben. Woran liegt das?

Eckart Sackmann Überlebt haben sie alle, nur die Popularität ist unterschiedlich. Auch die Zeitgenossen Mozarts werden heute alle gespielt, aber die meisten Leute kennen nur Mozart.

CHEXX Goscinny und Uderzo schufen mit Asterix einen der erfolgreichsten Comics. Allerdings ließ die Qualität mit den Jahren stark nach, so dass man sich fragt, wann ein Zeichner und Autor aufhören sollte?

Eckart Sackmann Es zwingt einen ja niemand, schlechte Comics zu lesen. Für einen Verlag ist es wichtig, dass in einer populären Serie etwas Neues kommt; nur dann kann er auch die alten Bände verkaufen. Und für einen Zeichner, der noch den Griffel halten kann, ist es auch aus Gründen der Eitelkeit manchmal schwierig, aufzuhören.

CHEXX In den USA entstanden seit den 1940er Jahren Abenteuergeschichten mit Superhelden wie Superman, Spiderman, Batman und Captain America. Wo waren die deutschen Comic-Helden? Gab es überhaupt welche?

Eckart Sackmann Nein, aber das lag nicht daran, wie man immer wieder liest, dass Adolf Hitler die Comics unterdrückt hat. Die Frage ist noch nicht geklärt; meine These ist, dass zum einen die deutsche Mentalität dem entgegenstand und dass sich zum anderen kein Verleger gefunden hat, wie in den 30er Jahren in Italien und Frankreich, der in Comics eine Marktchance gewittert hätte.

CHEXX Warum sterben einst so beliebte Comic-Helden wie Superman dennoch plötzlich aus?

Eckart Sackmann Tun sie das wirklich? Ich wäre darüber nicht unglücklich.

CHEXX Charles M. Schulz, der Zeichner der Peanuts, sagte in den 1950er Jahren: Ich betrachte meine Arbeit nicht als große Kunst, aber ich muss mich nicht dafür rechtfertigen, etwas zu tun, das nicht besonders geachtet ist. Warum galten Comics lange Zeit als Schund?

Eckart Sackmann Weil jemand sie zu Schund erklärt hat und in der Lage war, diese Meinung den anderen nahe zu bringen. Motive gibt es viele: ein anderes Kulturverständnis, pädagogische Verantwortung, aber auch politische Absichten oder Unwissenheit. Übrigens haben auch Comiczeichner andere Comics zu Schund erklärt - die Zeichner der Comic Strips etwa die Comics der Comic Books.

CHEXX Für viele gilt der Begriff der Literatur mit dem des Comics als unvereinbar. Warum?

Eckart Sackmann Weil sie es nicht besser wissen.

CHEXX Erst in den 1970er Jahren erklärte man in Frankreich den Comic zur neunten Kunst. Worin liegt für Sie sein literarisches und ästhetisches Potenzial?

Eckart Sackmann Der Begriff Neunte Kunst ist genauso irreführend wie der Begriff Comic oder Graphic Novel. Und was die Frage angeht: Würde man sie einem Autor der geschriebenen Literatur stellen?

CHEXX Seit etwa 1997 erleben Europa und die USA einen wahren Manga-Boom. Welche Ursachen gibt es für die weltweite Beliebtheit des Mangas?

Eckart Sackmann Manga – jedenfalls die Manga, die seit den 90er Jahren bei uns die populärsten sind – sind Teil einer Jugendkultur. Ihre Leser(Innen) haben daran ihren Spaß, und sie können sich mit ihrer Hilfe von der etablierten Kultur absetzen.

CHEXX Im Manga ist der Textanteil stark reduziert und im Gegensatz zum franko-belgischen Comic ist das Thema der Erotik stark vertreten. Könnte das sein Erfolgsrezept sein?

Eckart Sackmann Das gilt nur für einen Teil der japanischen Comics. Es gibt in Japan eine weit größere Bandbreite an Comics (=Manga) als in Europa, da das Lesen von Bildliteratur dort ungleich beliebter ist. Wir haben bisher nur einen winzigen Ausschnitt davon gesehen.

CHEXX In Deutschland werden heute etwa 90 % ausländische Comic-Übersetzungen verkauft. 60 - 70 % davon sind Mangas. Denken Sie, dass die große Flut von Manga-Veröffentlichungen sich irgendwann kontraproduktiv auf den Markt auswirken wird? Wie sieht die Zukunft des Mangas aus?

Eckart Sackmann Kontraproduktiv auf keinen Fall; es gibt ja sehr viele Manga-Fans, die im Mangastil zeichnen und dabei sehr produktiv sind. Dass Manga amerikanische und europäische Traditionen zurückdrängen (und sich vermutlich irgendwann damit vermischen), mag man bedauern; man kann es aber nicht ändern. Schlimmer finde ich, dass es zu wenige Comics deutscher Zeichner und Autoren gibt – gleich ob sie nun frankobelgisch, japanisch oder in ihrem eigenen Stil arbeiten.

CHEXX Wie kann man Leser für deutsche oder franko-belgische Comics zurück gewinnen?

Eckart Sackmann Indem die Verlage diese Comics weiterhin anbieten. Man kann aber nur bedingt gegen Zeitströmungen anschwimmen.

CHEXX Deutschland ist in der Weltgeschichte des Comics nicht mehr als eine Randerscheinung. Warum?

Eckart Sackmann Das war nicht immer so (19. Jahrhundert), und es kann sich auch wieder ändern. Der deutsche Film war auch lange Zeit nicht gefragt.

CHEXX Es kursieren viele Spekulationen über das Fehlen einer eigenständigen deutschen Comic-Tradition. In diesem Zusammenhang kritisieren Sie immer wieder falsche und oberflächliche Darstellungen in der Comic-Historie. Erläutern Sie bitte kurz die folgende Fehleinschätzung der deutschen Presse: Wilhelm Busch ist der Stammvater der deutschen Comics.

Eckart Sackmann Es hat bereits vor Wilhelm Busch viele Comics gegeben.

CHEXX Der Comic steckt, mit Ausnahme der Mangas, schon seit einigen Jahren in der Krise und es gibt bereits Prognosen über sein Verschwinden. Wie sehen Sie die Zukunft des Comics?

Eckart Sackmann Comics sind insofern altmodisch, als sie dem Trend zu bewegten Bildern nicht entsprechen. Deshalb könnte es sein, dass sie noch mehr an Wichtigkeit verlieren. Es wird aber wohl noch sehr lange Comics geben.

CHEXX Im Schatten der neuen Trends entwickelt sich seit einiger Zeit wieder eine kleine deutsche Comicszene. Nennen Sie eine Handvoll Comic-Zeichner, die Sie am Erfolgshorizont sehen.

Eckart Sackmann Es gibt ein paar, die Erfolg haben (oder hatten), wie Brösel, Ralf König und Walter Moers. Viele andere, über die man jetzt gerade redet, haben höchstens Erfolg bei Teilen der Kritik, nicht aber bei einem größeren Publikum.

CHEXX Obwohl die Zeichenarbeit bei einer Comic-Produktion schneller und billiger ist, gibt es einen Trend zu PC-Programmen um Charaktere digital zu erschaffen. Wie bewerten Sie diese Tendenz?

Eckart Sackmann Zeichner arbeiten entweder bewusst traditionell, oder sie probieren was Neues aus. Das kann man nicht grundsätzlich bewerten. Das Ergebnis ist entscheidend.

CHEXX Viele Comics erscheinen nur noch als Electro-Comics im Internet. Sieht so die Zukunft des Comics aus?

Eckart Sackmann Nicht die Zukunft des Comic. Es ist nur eine von mehreren Formen der Veröffentlichung.

CHEXX Pixar-Produktionen sind seit einigen Jahren sehr erfolgreich. Rauben sie dem klassischen Comic seine Faszination?

Eckart Sackmann Sicher, weil es bewegte Bilder sind. Menschen haben bei der Wahl ihrer Unterhaltung die Tendenz, Farbe dem Schwarzweißen vorzuziehen, Bewegung dem Statischen und Dreidimensionales dem Flächigen.

CHEXX Comicbegeisterte Sammler und Zeichner wirken oft etwas verschroben und skurril. Woher kommt dieses Vorurteil?

Eckart Sackmann Jeder, der sich extrem für etwas Spezielles interessiert, wirkt auf andere mit anderen Interessen verschroben. Egal, ob es nun Hundezüchter, Opernliebhaber oder Comicsammler sind.

CHEXX Wenn man Comicforscher ist, besitzt man doch gewiss eine eigene große Sammlung. Wie viele Comics haben Sie?

Eckart Sackmann Ich habe gerade den größten Teil meiner Sammlung verkauft, weil ich merkte, dass ich die Comics in meinem Leben nicht mehr lesen konnte. Warum also sollten sie rum stehen?

CHEXX Würden Sie Ihre Comics verleihen?

Eckart Sackmann Nicht jedem.

CHEXX In der Comicforschung gibt es noch weitestgehend unberührte Bereiche. Welche empfinden Sie für die Zukunft als besonders untersuchungswürdig?

Eckart Sackmann Alle bisher nicht behandelten, und das sind sehr viele. Zunächst ist es wichtig, die Kernfragen der Comicgeschichte zu klären, damit sich vielleicht auch allgemein die Idee durchsetzt, dass der Comic nicht beim Yellow Kid angefangen hat.

CHEXX Empfehlen Sie unseren Lesern bitte noch drei Comics, die Ihrer Meinung nach in jedes Bücherregal gehören.

Eckart Sackmann Jeder soll sich seine Besten Comics selbst erlesen, indem er möglichst viele Comics liest.

Fotos: Andreas Dirks
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