
Bullyparade. Das Trio schrieb und spielte insgesamt sechs Staffeln der populären Comedy-Reihe, aus der auch drei extrem erfolgreiche Kinofilme hervorgingen. Nun ist Christian Tramitz in
Jerry Cottonzu sehen.
chexx Dieser Film wurde nur deshalb gedreht, weil Produzent Christian Becker in Ihnen den perfekten FBI-Agenten sah. Was ist das für ein Gefühl?
Christian Tramitz Das ist zunächst einmal ein beschissenes Gefühl (lacht). Am ersten Drehtag standen da geschätzte 70 Leute. Ich dachte nur: Um Gottes Willen! Das ist alles wegen mir! Das kostet alles so viel Geld! Man bekommt sofort ein schlechtes Gewissen und hofft, dass alles gut geht. Eine so exponierte Hauptrolle in einem Kinofilm zu spielen, ist eine neue Erfahrung für mich.
chexx Kannten Sie Jerry Cotton noch von früher?
Christian Tramitz Ich habe die Hefte nicht gelesen. Ich kannte nur die Cover mit Leuten drauf, die Waffen und seltsame Frisuren hatten. In der Schule sagte man uns: Das sind Schundhefterl! Abonniert lieber Bambi! Ich habe mit zehn, zwölf Jahren aber Asterix-Hefte vorgezogen.
chexx Steckt in dem modernen Jerry Cotton, den Sie spielen, noch viel vom alten Romanhelden?
Christian Tramitz Ich empfinde das eher als freie Adaption. Cyrill Boss und Philipp Stennert haben diesen Heldencharakter und seinen Namen übernommen, aber um ihn herum eine komplett andere Geschichte gesponnen. Das Buch ist so geschrieben, dass Jerry ein Menschenfeind und Einzelgänger ist. Im Laufe der Geschichte gerät er unter Mordverdacht und ist zwangsläufig auf Phil Decker angewiesen, um seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Richtig cool ist er nur am Anfang. Dann wird er immer menschlicher.
chexx Was ist der Hintergedanke?
Christian Tramitz Eine Figur von Anfang bis Ende nur cool durchzuspielen, ist langweilig. Damit kann man die Leute nicht mehr ins Kino locken, außer man heißt Sean Connery. Aber Daniel Craig als der neue Bond, mit dem ich mich um Gottes Willen nicht vergleichen will, ist ja auch menschlicher und verletzlicher. So eine Figur wird erst dann interessant, wenn sie gebrochen wird.
chexx Welche Bedeutung hat der junge Kollege Phil Decker?
Christian Tramitz Er ist das genaue Gegenteil von Jerry. Er kommt frisch von der → FBI-Akademie und ist ein sehr theoretischer Mensch. Jerry haut erst mal die Leute um und fragt hinterher, ob das überhaupt richtig war. Phil Decker verehrt Jerry Cotton, aber Jerry hasst Phil. Umso schöner ist dann, was sich im Laufe des Films zwischen den beiden entwickelt. Das ist ein klassischer Buddy Movie und letztendlich ist Phil Decker der eigentliche Held dieses Films.
chexx Wie war die Zusammenarbeit mit Christian Ulmen?
Christian Tramitz Ich bin unglaublich froh, dass Christian dabei war. Mit seinem irrwitzigen Tempo ist er das eigentliche Comedy-Element innerhalb des Duos. Die Rolle von Jerry Cotton ist ganz gradlinig und nicht so überzogen angelegt. Das finde ich sehr stimmig.
chexx Wie wichtig sind die Frauen im Film?
Christian Tramitz Sehr wichtig. Wir haben eine sehr weibliche, wunderschöne Antagonistin. Christiane Paul als Daryl D. Zanuck. Und wir haben die ebenso wunderschöne Monica Cruz als Malena. Es ist ein Erlebnis, sie beim Tanzen zu beobachten. Jerry muss nur einmal in ihre riesigen dunklen Augen schauen, um seine Selbstsicherheit zu verlieren. Die Frauen setzen bewusst ihre Weiblichkeit ein und sind in diesem Film viel stärker als die Männer.
chexx Beim Drehen hat Monica Cruz ihre Texte auf Spanisch gesprochen, Sie haben auf Deutsch gekontert. Hat das immer reibungslos funktioniert?
Christian Tramitz Ja und irgendwann hatte ich mich so sehr daran gewöhnt, dass es ein Schock gewesen wäre, wenn sie plötzlich Deutsch gesprochen hätte. Film hat viel mit Technik zu tun. Aus dem Drehbuch wusste ich ja, was sie sagt. Tragisch war nur, dass ich nie genau wusste, wann sie etwas sagt. Sie hat in einem irren Tempo geredet. Es gab aber bestimmte Schlüsselwörter, auf die ich reagieren konnte.
chexx Jerry Cottons wahre Braut ist seine Smith & Wesson. Haben Sie sich mit dieser Waffe in der Hand besonders männlich gefühlt?
Christian Tramitz Ich bin alles andere als ein Waffennarr, aber es ist halt doch ein feines Spielzeug. Alle Jungs am Set haben angefangen, mit der Waffe rumzuwirbeln, sobald sie das Ding in der Hand hatten. Dieser Automatismus scheint bei Männern genetisch vorgegeben zu sein. Es ist cool, die Trommel rauszuklappen und dieses Klicken zu hören. Das Schießen selbst ist der langweiligste Part.
chexx Hatten Sie eine echte Smith & Wesson oder eine Attrappe?
Christian Tramitz Das war eine echte Smith & Wesson.
Die ist sehr wertvoll. Ich sollte ein bisschen üben, da ist sie mir
gleich runter gefallen. Natürlich hat sich was verbogen. Danach gab
es die Anweisung: Gebt dem Tramitz die Waffe nur noch, wenn
wirklich gedreht wird! Im Anschluss an jede Szene wurde sie mir
sofort wieder abgenommen. 
chexx Jerry Cotton fährt im Film zunächst einen modernen Jaguar und dann den Klassiker: einen roten Jaguar E-Type.
Christian Tramitz Richtig. An einer Stelle im Film braucht Jerry ein Fluchtauto. Obwohl er in Eile ist, nimmt er sich die Zeit, den Jaguar E-Type eines älteren Herrn zu beschlagnahmen. Das ist die Verwandlung zum Jerry Cotton, wie man ihn kennt und haben will. Dieser rote Jaguar ist ein Kindheitstraum. Er war der Star in meinem Autoquartett. Das weiß ich noch: 240 Stundenkilometer! Das war unglaublich. Autos waren damals einfach noch nicht so schnell wie heute.
chexx Welchen Jaguar sind Sie lieber gefahren? Den alten oder den neuen?
Christian Tramitz Der neue ist leichter zu handhaben, aber der alte ist schöner zu fahren. Das neue Modell hat, glaube ich, mehr als 550 PS. Es macht einfach Spaß, da aufs Gaspedal zu treten. Man kann auch nicht viel falsch machen, weil der Wagen Automatik hat. Den alten Jaguar muss man zu bedienen wissen. Der hat mich manchmal ganz schön geärgert, weil der zwölf Zylinder hat und schwer einzustellen ist. Wenn er aber erst mal fuhr, war das ein irres Erlebnis.
chexx Fuhr stets die Angst mit, etwas kaputt zu machen?
Christian Tramitz Am Anfang war es wirklich meine größte Sorge, irgendeinen Kratzer in dieses wunderschöne Auto zu fahren. Ich musste mich erst mal an diese lange Schnauze gewöhnen. Aber ich brauchte zum Glück keine allzu schlimmen Manöver fahren. Nur einmal eine große Wende und dann auf eine bestimmte Markierung zusteuern.
chexx Apropos Kratzer: Jerry Cotton trägt im Film so manche Schramme davon. Macht ihn das noch männlicher?
Christian Tramitz Ja klar, das schmückt ungemein. Das kennt man ja von Bruce Willis. Für einen Schauspieler ist es immer besser, zu schwitzen und sich dreckig zu machen, als durchgehend einen Schniegelmann zu spielen. Gegen Ende waren auch alle meine Anzüge kaputt. Für die letzten Drehtage haben wir schon Teile kombinieren müssen. Die armen Anzüge sahen am Anfang so toll aus, am Ende waren sie total im Eimer. Genau wie ich.
chexx Haben die Action- und Prügelszenen Spaß gemacht?
Christian Tramitz Einen Riesenspaß! Ganz ehrlich. Ich drehe so was gern. Manches sieht bei professionellen Stuntmännern aber einfach besser aus. Dann lässt man die das lieber machen.
chexx Was war der schlimmste Stunt für Sie selbst?
Christian Tramitz In der Anfangssequenz muss Jerry ziemlich nah unter der Decke einer Fabrikhalle kämpfen. Ich bin alles andere als schwindelfrei. Da habe ich dann doch Bedenken angemeldet: Wenn es nicht unbedingt sein muss, gehe ich da ungern hoch. Wir haben aber die Stuntleute um Rainer Werner am Set. Sie machen einen unglaublich guten Job und führen uns Schauspieler ganz behutsam an solche Aufgaben heran.
chexx Gab es andere körperliche Belastungen?
Christian Tramitz Ich hasse Nachtdrehs. Ich hasse sie abgrundtief. Normalerweise gehe ich abends um zehn Uhr ins Bett, weil ich überhaupt kein Nachtmensch bin. Am Set überlebe ich nur durch sieben Liter → Kaffee. Dann schaffe ich die Nacht. Ich kenne überhaupt ausschließlich Leute, die Nachtdrehs hassen. Deswegen verstehe ich nicht, warum man überhaupt noch welche macht.
chexx Haben Sie zur Vorbereitung amerikanische Agentenfilme studiert?
Christian Tramitz Eher unbewusst. Es gibt bei amerikanischen Schauspielern natürlich bestimmte Gesten, die einfach anders sind als bei deutschen Schauspielern. Die halten ihre Köpfe leicht geneigt oder schauen am Ende eines Telefongesprächs noch mal in den Telefonhörer. Aber es geht nicht darum, amerikanische Schauspieler zu imitieren. Jerry Cotton ist ja eine deutsche Erfindung. Er stammt aus der Nachkriegszeit, in der man aus begreiflichen Gründen ein bisschen Angst davor hatte, einen deutschen Superhelden zu kreieren. Also hat man ihn zu einem Amerikaner gemacht.
chexx Konsequenterweise wurden die Filme der 60er Jahre dann auch mit George Nader besetzt, einem amerikanischen Schauspieler.
Christian Tramitz Ja, aber die Filme wurden in Deutschland gedreht und alle anderen Schauspieler waren Deutsche. Das erinnert ein bisschen an Edgar Wallace. Nur halt auf amerikanisch statt auf britisch.
chexx Gab es mal die Überlegung, dass Ihr naturgegebener bayerischer Dialekt bei Jerry Cotton durchscheinen soll?
Christian Tramitz I bin der Cotton Jerry? Nein, das ginge
in die falsche Richtung. So hat damals Der Schuh des
Manitu
funktioniert. Alles sah echt aus, aber die Figuren
haben Bayrisch gesprochen. Das war ein großer Teil des Witzes. Aber
die Zeiten sind vorbei. Inzwischen ist alles persifliert worden.
Western, Science Fiction, U-Bootfilme. Im Gegensatz zu Der
Wixxer
soll Jerry Cotton
keine Persiflage
sein. Wir verstehen uns eher als Hommage mit hohem Tempo und
realistischen Charakteren. Zwar sind auch Jerry Cotton und Phil
Decker leicht überzeichnet, aber sie sind keine Knallchargen. Im
Idealfall muss man die beiden mögen.






















