Interview
Michelle Pfeiffer: Ich nehme meine Arbeit als das, was sie ist
Von Redaktion | 05. August 2009    Drucken eMail
→ Michelle Pfeiffer erregte erstmals Aufsehen bei Publikum und Kritik, als sie 1983 neben Al Pacino in Brian de Palmas Scarface - Toni, das Narbengesicht auftrat. Seitdem ist sie dreimal für den → Oscar nominiert worden: Als Beste Hauptdarstellerin für Die fabelhaften Baker Boys 1990 und Love Field - Feld der Liebe 1992, für den sie auf der Berlinale 1993 den Silbernen Bären gewann, und als Beste Nebendarstellerin in Gefährliche Liebschaften 1988.

chexx Vor 20 Jahren spielten Sie die engelsgleiche Unschuld Madame de Tourvel in Stephen Frears’ Gefährliche Liebschaften. Jetzt spielen Sie eine Prostituierte.

Michelle Pfeiffer Schon wieder eine verlorene Seele! Das ist interessant. Ich kann dem offenbar nicht entkommen.

chexx Was für eine Schauspielerin waren Sie denn, als Sie Gefährliche Liebschaften drehten?

Michelle Pfeiffer Damals stand ich sehr unter Druck, weil ich Angst hatte zu scheitern, einerseits weil die Schauspielerei ein schwieriger Beruf ist, wenn man anfängt, andererseits weil ich mich damals ausschließlich über meine Arbeit definierte. Sie hinderte mich an der Lebensfreude. Das war offenbar nicht gesund. Heute bin ich dieselbe Schauspielerin, aber ich nehme meine Arbeit als das, was sie ist. Ich habe irgendwann begriffen, dass ich einen Beruf habe, den ich leidenschaftlich liebe. Aber jetzt habe ich auch Kinder, eine Familie, ich bin älter geworden.

chexx Wie finden Sie es, wenn immer wieder auf Ihr Alter Bezug genommen wird?

Michelle Pfeiffer Ich bin das gewohnt, man spricht darüber, seit ich 35 bin. Jetzt bin ich 50, das ist eine enorme Zahl und eine Obsession für die Frauen - übrigens auch für die Männer. Aber das ist keine große Sache. An meinem 50. Geburtstag war ich sehr beschäftigt mit Dreharbeiten, ich habe nichts Besonderes gefühlt, überhaupt keine Veränderung.

chexx Chéri ist ein Film über verlorene Schönheit, verlorene Illusionen, verlorene Liebe. Kennen Sie diese Art der Resignation?

Michelle Pfeiffer Es begleitet einen das ganze Leben. Ja, den Verlust kenne ich. Den Verlust meines Vaters und anderer geliebter Menschen. Aber mit zunehmender Reife lernt man, nicht immer nur dem Verlorenen nachzutrauern. Man schenkt dem, was da ist, mehr Aufmerksamkeit. Und man lernt zu akzeptieren.

chexx Was hat Sie an Ihrer Figur, der Léa de Lonval, fasziniert?

Michelle Pfeiffer An Colettes Roman mag ich, dass Léa keine Klischeefigur ist, die sich aus den Vorstellungen, die über Kurtisanen zu der Zeit wahrscheinlich kursierten, zusammensetzt. Sie ist klug, humorvoll, freundlich und elegant. Sie hat Klasse, und dabei ist sie ein guter Mensch, was einen irgendwie überrascht.

chexx Was braucht man, um in → Hollywood zu bestehen?

Michelle Pfeiffer Schwer zu sagen ... Man kann das nur rückblickend beantworten. Prinzipiell ist vieles Zufall. Außerdem bin ich insgeheim davon überzeugt, dass die guten Schauspieler immer weiterarbeiten, sogar dann noch, wenn ihre Gesichter und ihre Körper verfallen.

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