Sexbomb, die er 1999 exklusiv für Tom Jones schrieb, schaffte Mousse T. die internationale Anerkennung als Songwriter und Musikproduzent. Mousse T. lebt in Hannover und spricht hier über seine Kompositionen zu der Komödie
Pornorama.
chexx Wie sind Sie zu diesem Projekt gekommen?
Mousse T. Das Schöne bei solch einem Projekt
ist ja, dass man hier nicht einfach so hinzukommt. Constantin Film
hatte mich angerufen und gefragt, ob ich nicht Lust hätte, mir
einen Film anzusehen und - falls mir das Thema zusagt - auch gleich
die Musik dafür zu komponieren. Da ich noch nie einen kompletten
Score samt Songs für einen Film entworfen hatte - natürlich waren
einige meiner Titel bereits auf der Leinwand oder im Fernsehen zu
hören wie in Marc Rothemunds Die Hoffnung stirbt
zuletzt
oder Harte Jungs
- reizte mich dieses
Angebot ungemein. Vor allem bei meinem Faible für die 60er- und
70er-Jahre-Musik musste man mich nicht mehr groß dazu überreden.
Das war rasch gebongt.
chexx Was werden wir denn im Film von Mousse T. hören?
Mousse T. In Pornorama gibt es eine tolle Kombination aus beidem - aus Score und einzelnen Songs. Da es bereits so fantastische und anbetungswürdige Filmkomponisten wie Ennio Morricone, John Barry oder Hans Zimmer gibt, war mein Anspruch an Filmmusik also nicht, diesen berühmten Herren in die Fußstapfen treten zu wollen. Eher schwebte mir ein anderer, neuerer Ansatz vor. Ich bin an die Sache so herangegangen, wie ich es als Musikproduzent eben gewohnt bin: Mit einem imaginären Bild zu einer bestimmten Szene, um mir dann zu überlegen, was ich mit einem bestimmten Song an dieser Stelle bewirken kann. Für den gesamten Film habe ich letztlich elf Songs kreiert, fast alle in einem 60er-Jahre-Flair. Und natürlich schufen wir auch eine Handvoll einfach großartiger Score-Parts, die wir mit dem Babelsberger Filmorchester eingespielt haben.
chexx Wie lassen sich die End-Sechziger-Jahre überhaupt authentisch vertonen?
Mousse T. Ich bin Baujahr 1966 und daher mit der Musik der 80er Jahre aufgewachsen. Vor einigen Jahren kam schließlich dieses 80er-Jahre-Revival auf, und ich entdeckte dabei Sounds wieder, von denen ich dachte, dass sie längst vergessen seien. Jetzt sind lustigerweise die 60er wieder modern, viele Funk- und Rock-Bands versuchen diesen Sound zu emulieren. Auf gut Deutsch also: Vom Akustischen her muss man den Sound richtig armselig, will sagen: eben à la 60er Jahre erklingen lassen. Unser moderner Ansatz waren lediglich die englischsprachigen Songs selbst, da wir Lyrics und Sprache an die heutige Zeit anpassten. Daher wirken unsere Lieder definitiv für die heutige Jugend, gleichwohl bleibt das Klangbild authentisch. Zum Beispiel haben wir die Drums komplett nach rechts gelegt, die Stimmen mit damals üblichen Hall-Effekten verzerrt usw. Die Menschen, die das hören, werden sich erstaunt fragen: Wow, ist das von Jimi Hendrix, den Beatles oder James Brown?!
chexx Wollen Sie etwas über die Zusammenarbeit mit Marc Rothemund erzählen?
Mousse T. Als Musikproduzent habe ich von Musik
eine Ahnung, aber ich würde mir nie anmaßen, bei einem Filmprojekt
genau zu wissen, wie das geht. Marc seinerseits ist zwar kein
Musikprofi, aber er hatte trotzdem ein super Gefühl für die
jeweilige Stimmung bei den einzelnen Szenen. Er hat uns einerseits
völlig freie Hand gelassen, andererseits hat er es als
musikalischer Laie oft auf den Punkt gebracht, wie eine bestimmte
Szene zu klingen hat. Das hat mir sehr imponiert. Auch die Auswahl
seiner Temp tracks
als vorläufige Inspirationshilfe
war wirklich ausgezeichnet. Marc weiß sehr genau, wovon er
redet!
chexx Hand aufs Herz: War diese erste große Filmarbeit nur ein einmaliger Ausflug?
Mousse T. Es reizt mich schon, das muss ich
zugeben. Früher habe ich mich über meine Filmmusik-Kollegen gern
lustig gemacht und gemeint: Wenn ich mal älter werde, dann
mache ich auch Filmmusik. Das ist doch wie ein
Ritterschlag.
Jetzt habe ich aber gemerkt: Das ist eine
ganz andere Qualität. Musik ist und bleibt für mich in der Regel
ein Ausdruck von vielen Eindrücken, aber mit dem Bild kommt noch
eine zusätzliche Ebene oder Dimension hinzu. Manchmal habe ich beim
Komponieren für Pornorama eine richtige Gänsehaut bekommen, wenn
ich merkte, wie meine Musik eine bestimmte Szene exakt getroffen
hat! Außerdem hat mir gefallen, dass man auch an einem Film
letztlich so arbeiten kann, wie man es als Musiker gewohnt ist. Man
musste sich nicht verbiegen. Ich würde mir sogar zutrauen, mal
einen rein klassischen Score oder einen mit purer Rockmusik zu
komponieren. Natürlich hängt vieles von den Projekten ab - und
natürlich von den passenden Leuten wie z. B. Marc Rothemund!






















