Interview
Mousse T. über seine Kompositionen zu der Komödie Pornorama
Von Constantin | 15. Oktober 2007    Drucken eMail
Mit der Single Sexbomb, die er 1999 exklusiv für Tom Jones schrieb, schaffte Mousse T. die internationale Anerkennung als Songwriter und Musikproduzent. Mousse T. lebt in Hannover und spricht hier über seine Kompositionen zu der Komödie Pornorama.

chexx Wie sind Sie zu diesem Projekt gekommen?

Mousse T. Das Schöne bei solch einem Projekt ist ja, dass man hier nicht einfach so hinzukommt. Constantin Film hatte mich angerufen und gefragt, ob ich nicht Lust hätte, mir einen Film anzusehen und - falls mir das Thema zusagt - auch gleich die Musik dafür zu komponieren. Da ich noch nie einen kompletten Score samt Songs für einen Film entworfen hatte - natürlich waren einige meiner Titel bereits auf der Leinwand oder im Fernsehen zu hören wie in Marc Rothemunds Die Hoffnung stirbt zuletzt oder Harte Jungs - reizte mich dieses Angebot ungemein. Vor allem bei meinem Faible für die 60er- und 70er-Jahre-Musik musste man mich nicht mehr groß dazu überreden. Das war rasch gebongt.

chexx Was werden wir denn im Film von Mousse T. hören?

Mousse T. In Pornorama gibt es eine tolle Kombination aus beidem - aus Score und einzelnen Songs. Da es bereits so fantastische und anbetungswürdige Filmkomponisten wie Ennio Morricone, John Barry oder Hans Zimmer gibt, war mein Anspruch an Filmmusik also nicht, diesen berühmten Herren in die Fußstapfen treten zu wollen. Eher schwebte mir ein anderer, neuerer Ansatz vor. Ich bin an die Sache so herangegangen, wie ich es als Musikproduzent eben gewohnt bin: Mit einem imaginären Bild zu einer bestimmten Szene, um mir dann zu überlegen, was ich mit einem bestimmten Song an dieser Stelle bewirken kann. Für den gesamten Film habe ich letztlich elf Songs kreiert, fast alle in einem 60er-Jahre-Flair. Und natürlich schufen wir auch eine Handvoll einfach großartiger Score-Parts, die wir mit dem Babelsberger Filmorchester eingespielt haben.

chexx Wie lassen sich die End-Sechziger-Jahre überhaupt authentisch vertonen?

Mousse T. Ich bin Baujahr 1966 und daher mit der Musik der 80er Jahre aufgewachsen. Vor einigen Jahren kam schließlich dieses 80er-Jahre-Revival auf, und ich entdeckte dabei Sounds wieder, von denen ich dachte, dass sie längst vergessen seien. Jetzt sind lustigerweise die 60er wieder modern, viele Funk- und Rock-Bands versuchen diesen Sound zu emulieren. Auf gut Deutsch also: Vom Akustischen her muss man den Sound richtig armselig, will sagen: eben à la 60er Jahre erklingen lassen. Unser moderner Ansatz waren lediglich die englischsprachigen Songs selbst, da wir Lyrics und Sprache an die heutige Zeit anpassten. Daher wirken unsere Lieder definitiv für die heutige Jugend, gleichwohl bleibt das Klangbild authentisch. Zum Beispiel haben wir die Drums komplett nach rechts gelegt, die Stimmen mit damals üblichen Hall-Effekten verzerrt usw. Die Menschen, die das hören, werden sich erstaunt fragen: Wow, ist das von Jimi Hendrix, den Beatles oder James Brown?!

chexx Wollen Sie etwas über die Zusammenarbeit mit Marc Rothemund erzählen?

Mousse T. Als Musikproduzent habe ich von Musik eine Ahnung, aber ich würde mir nie anmaßen, bei einem Filmprojekt genau zu wissen, wie das geht. Marc seinerseits ist zwar kein Musikprofi, aber er hatte trotzdem ein super Gefühl für die jeweilige Stimmung bei den einzelnen Szenen. Er hat uns einerseits völlig freie Hand gelassen, andererseits hat er es als musikalischer Laie oft auf den Punkt gebracht, wie eine bestimmte Szene zu klingen hat. Das hat mir sehr imponiert. Auch die Auswahl seiner Temp tracks als vorläufige Inspirationshilfe war wirklich ausgezeichnet. Marc weiß sehr genau, wovon er redet!

chexx Hand aufs Herz: War diese erste große Filmarbeit nur ein einmaliger Ausflug?

Mousse T. Es reizt mich schon, das muss ich zugeben. Früher habe ich mich über meine Filmmusik-Kollegen gern lustig gemacht und gemeint: Wenn ich mal älter werde, dann mache ich auch Filmmusik. Das ist doch wie ein Ritterschlag. Jetzt habe ich aber gemerkt: Das ist eine ganz andere Qualität. Musik ist und bleibt für mich in der Regel ein Ausdruck von vielen Eindrücken, aber mit dem Bild kommt noch eine zusätzliche Ebene oder Dimension hinzu. Manchmal habe ich beim Komponieren für Pornorama eine richtige Gänsehaut bekommen, wenn ich merkte, wie meine Musik eine bestimmte Szene exakt getroffen hat! Außerdem hat mir gefallen, dass man auch an einem Film letztlich so arbeiten kann, wie man es als Musiker gewohnt ist. Man musste sich nicht verbiegen. Ich würde mir sogar zutrauen, mal einen rein klassischen Score oder einen mit purer Rockmusik zu komponieren. Natürlich hängt vieles von den Projekten ab - und natürlich von den passenden Leuten wie z. B. Marc Rothemund!

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