Interview
Interview mit Leroy-Darsteller Alain Morel
Von Redaktion | 15. September 2007    Drucken eMail

chexx Wie bist Du an die Rolle des Leroy gekommen?

Alain Morel Das war letztlich ein lustiger Zufall. Ich war in der Kartei einer Agentur, die mich irgendwann mal auf offener Straße angesprochen hatten. Eigentlich hatte ich mit denen zwei Jahre lang gar keinen Kontakt gehabt, aber irgendwie bekam Armin Völckers (der Regisseur des Films) dort mein Bild in die Hand. Und so saß ich eines Tages in einem Café, war gerade eingenickt und wurde geweckt von einem Anruf und der Frage, ob ich mir vorstellen könnte, in einem Film mitzuspielen. Im ersten Moment konnte ich mir das überhaupt nicht vorstellen. Aber die Kellnerin des Cafés, eine Freundin von mir, hat mich dann gleich überredet, damit ich vorspreche.

chexx Hattest Du denn irgendwelche schauspielerischen Erfahrungen?

Alain Morel Ich hatte früher schon mal darüber nachgedacht, ob Schauspielerei etwas für mich sei, mich aber nie ernsthaft damit beschäftigt. Auch bei einem Theater-Workshop hatte ich einmal teilgenommen, und von diversen Kultur-Werkstätten war ich es gewohnt, mit Situationen konfrontiert zu werden, die für mich neu sind. Nachdem wir den Kurzfilm gedreht hatten, habe ich dann aber auch noch richtiges Schauspiel-Coaching bekommen. Meine Lehrerin Sigrid Andersson hat mir dabei die Schlüsselinformationen gegeben, die ich brauchte, um mich beim Spielen wirklich wohl zu fühlen und Spaß zu haben.

chexx Deine jungen Kollegen hatten alle schon etwas mehr Erfahrung. Haben sie Dir ein wenig unter die Arme gegriffen?

Alain Morel Ja, selbstverständlich. Sie haben mir immer wieder gute Tipps gegeben, vor allem praktischer Art. Besonders Anna Hausburg, die die Eva gespielt hat. Dass man zum Beispiel die Kamera verdeckt, wenn man in einem bestimmten Winkel steht, muss man erst einmal lernen. Überhaupt habe ich mich am Set sehr aufgehoben gefühlt. Das war auch das Tolle an der Arbeit mit Armin: man kann immer mit ihm reden und den eigenen Standpunkt klar machen. Die Arbeit mit ihm war ein ständiger Dialog.

chexx Hast Du sofort einen Draht zu Deiner Figur gefunden?

Alain Morel Am Anfang war mir nicht gleich klar, warum Leroy so ist wie er ist. Aber dann habe ich ihn schnell immer mehr schätzen gelernt und verstanden, wie gutherzig er ist. Leroy schickt jedem erst einmal ganz viel Vertrauen voraus, während ich persönlich immer eher eine Weile brauche, um Menschen einzuordnen. Seine Naivität und Gutgläubigkeit hat mich dabei überrascht und fasziniert, aber ich habe sie auch wirklich lieben gelernt. Eine gewisse Leichtigkeit zuzulassen, habe ich mir dabei auch für mich persönlich von ihm abgeguckt.

chexx Leroy muss schwarze Kultur und Geschichte erst einmal kennen lernen. Ging es Dir genauso?

Alain Morel Ich hatte wesentlich mehr Bezug dazu als er. Unter anderem hatte ich bereits ein Seminar zum Thema Kolonialismus und Rassismus aus schwarzer Perspektive besucht und mich sehr intensiv mit der Geschichte auseinandergesetzt. Aber der Film hat es geschafft, dieser Auseinandersetzung mehr Leichtigkeit und Unkompliziertheit zu geben. Außerdem hat er mich noch einmal ganz gezielt darauf gestoßen, dass ich deutsch bin. Das ist mir in diesem Arbeitsprozess sehr schön bewusst geworden und hat auch eine ganz neue Liebe zu Berlin in mir geweckt.

chexx Wie stand es um Blacula? Kanntest Du den Film vorher schon?

Alain Morel Nein, mit der ganzen Blaxploitation-Richtung hatte ich mich eigentlich noch nie beschäftigt. Aber das fand ich dann sehr interessant und Armin war dabei natürlich ein spannender Einfluss.

chexx Haben Dir auch der Humor und die Thematik auf Anhieb gefallen?

Alain Morel Ich konnte sofort mit Armins Humor sehr viel anfangen, denn den fand ich sehr besonders und schön. Auch das Tempo, der Rhythmus und die ganze Stimmung des Films haben mich begeistert. Und ich fand den Ansatz gut, mal zu zeigen, dass auch Neonazis Menschen sind. Niemand wird schließlich als Nazi geboren - und niemand muss es bleiben.

chexx Was kann ein Film wie Leroy bewirken?

Alain Morel Ich habe selbst schon genug Filme gesehen, die es geschafft haben, mein Weltbild zu verändern und mich zu beeinflussen. Leroy kann das auch, vor allem weil er einen wunderschönen Optimismus hat. Er vermeidet es nicht, Probleme wie Rassismus und rechte Gewalt anzusprechen, aber er zerrt den Zuschauer auch nicht gleich in eine Depression. Schon der Mut und das positive Gefühl, darüber reden zu können, und die Leichtigkeit, mit der das geschieht ohne in bitteren Ernst zu verfallen, können meiner Meinung nach sehr viel bewirken. Das ist eine neue Mentalität in der Auseinandersetzung mit solchen Themen. Im Bewusstsein vieler Menschen ist es eben noch nicht so ganz drin, dass auch Türken oder Afrikaner Deutsche sein können. Man merkt das zum Beispiel oft, wenn man automatisch nicht auf Deutsch angesprochen wird. Für mich ist es deswegen schön, dass in Leroy eine Figur gezeigt wird, bei der gar nicht gefragt wird, wo sie her kommt. Es ist einfach selbstverständlich, dass sie da ist und so ist, wie sie ist. Leroys Perspektive wird einfach als Normalität dargestellt, und das ist eine große Stärke des Films.

chexx Hast Du eigentlich vor, der Schauspielerei treu zu bleiben?

Alain Morel Auf jeden Fall. Das Fieber hat mich völlig gepackt, denn der Dreh hat unglaublich viel Spaß gemacht. Außerdem hat mich die Erfahrung auch menschlich weiter gebracht. Ich habe vorher noch nie so lange an einem Projekt gearbeitet, und in diese ganze Arbeit involviert zu sein, war ein wirklich positives Gefühl und super spannend.

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