
Sehr geehrter Herr Maggiist er bekannt für seinen Mut, die Dinge beim Namen zu nennen. Nach eigener Aussage war er schon immer ein
Querdenker- und der muss man wohl auch sein, wenn man auf die Idee kommt, großen Firmen eine Absage auf unverlangte Stellenanzeigen zu schreiben, wie er es in seinem neuesten Werk
Sehr geehrter Herr Hornbachhöchst eindrucksvoll tut. Mit Diana Sonnenberg hat er für chexx über seine Liebe zur Literatur und die unendlichen Weiten seines Querdenker-Gehirnes gesprochen.
chexx Sie haben schon als Kind gedichtet. Können Sie uns eine Kostprobe davon geben?
Jürgen Sprenzinger Lieber nicht ...
chexx Woher kommt Ihre Liebe zur Literatur? Wie sind Sie zum Schreiben gekommen?
Jürgen Sprenzinger Wilhelm Busch war Schuld.
Ich las seinen Gedichtband Poesie des Herzens
und da
war ich fällig...
chexx In Ihrem aktuellen Buch Sehr
geehrter Herr Hornbach
erteilen Sie Firmen bissige Absagen
auf unverlangte Stellenanzeigen. Der Einfall ist mutig und grandios
zugleich. Wie kam Ihnen diese Idee?
Jürgen Sprenzinger Wie bereits im Vorwort des
Buches erwähnt: Schuld daran war eine Frau. Eine Bekannte aus
Fürstenfeldbruck erzählte mir, sie hätte 200 Bewerbungen auf 200
Stellenanzeigen geschrieben und 200 Absagen bekommen. Ich las diese
Absagen und war über den teilweise rüden, teilweise arroganten Ton
verärgert. Am anderen Morgen beim Rasieren kam mir dann die Idee:
Ich drehe den Spieß einfach mal um. Ob die Idee grandios ist, kann
und will ich nicht beurteilen – ich war schon immer ein Querdenker.
Was den mutigen Einfall
betrifft: Seit meinem ersten
Buch Sehr geehrter Herr Maggi
bin ich dafür bekannt,
die Dinge beim Namen zu nennen und das Treiben der Menschen auch
nicht immer ernst zu nehmen. Es wird übrigens im März 2009 ein Buch
mit dem Titel Der weinende Clown
geben – ein
gesellschaftskritischer und auch autobiografischer Roman, der weit
wesentlich mehr Mut erfordert als alles bisher da Gewesene. Ich
darf an dieser Stelle Udo Lindenberg zitieren, der einmal sagte:
Alte Männer sind gefährlich, denn sie brauchen keine Angst
mehr vor der Zukunft zu haben
. Und ich denke, ich habe
relativ wenig Angst vor ihr...
chexx Hatten Sie ein bestimmtes Kriterium, nachdem Sie die Stellenanzeigen der Firmen ausgewählt haben? Firma, Anzeigentext, Slogans oder Fotos?
Jürgen Sprenzinger Ich habe mir überwiegend Stellenanzeigen ausgesucht, die mir durch ihre Titelzeilen ins Auge gesprungen oder mir durch ihre überzogenen Anforderungen aufgefallen sind, bei denen selbst ein Intellektueller Komplexe bekommen könnte. So frage ich Sie: Weshalb benötigt man zum Verkaufen von Kellogg’s Cornflakes ein naturwissenschaftliches Studium?? Überhaupt frage ich mich: Warum wird heute für jeden Mist ein abgeschlossenes Hochschulstudium verlangt? Glaubt die Industrie denn wirklich, dass nur Studierte ein Gehirn im Kopf haben? Ich denke, ein gesunder Pragmatismus wäre da oft wesentlich besser...
chexx Wo kamen Ihnen die besten Ideen für die Absagen?
Jürgen Sprenzinger Ganz verschieden. Beim Zeitungslesen, beim Autofahren – mein Gehirn ist immer am Laufen (auch ohne Hochschulstudium).
chexx Wie lange haben Sie an dem Buch gearbeitet?
Jürgen Sprenzinger Etwa sechs bis acht Monate. Ich schreibe meine Bücher immer sehr schnell, wenn ich einmal die Idee und das Konzept im Kopf habe. Alles andere ist dann nur noch Handwerk. Zudem habe ich acht Jahre als Journalist gearbeitet, vier Jahre davon als Chefredakteur und da lernt man, schnell zu schreiben und sich klar auszudrücken.
chexx Haben Sie selbst schon einmal die Überheblichkeit von Firmen zu spüren bekommen und eine unterkühlte Absage erhalten?
Jürgen Sprenzinger Klar. Habe sie aber nicht tragisch genommen.
chexx Einige Personalchefs beweisen Humor und haben auf Ihre Schreiben reagiert. Gibt es eine Antwort, die Sie enttäuscht oder überrascht hat, im positiven wie im negativen Sinn?
Jürgen Sprenzinger Ich war sehr überrascht über die Antwort der Firma Security aus Augsburg/Mühlhausen, aber auch über die Antwort von Albrecht Hornbach – beide sind ziemlich pfiffig und beweisen Humor – vielleicht ist das der Grund, weshalb beide Unternehmen überdurchschnittlichen Erfolg haben – frei nach dem Grundsatz: Wer was schaffen will, muss fröhlich sein...
chexx Die Mehrzahl der Unternehmen ignorierte Ihre Schreiben. Haben Sie eine Erklärung dafür?
Jürgen Sprenzinger Vielleicht ist der Zeitdruck Schuld, vielleicht ist es eine gewisse Hilflosigkeit, mit einer Sache umzugehen, die total ungewöhnlich daher kommt. Vielleicht ist es aber auch nur schlichtweg Faulheit, Desinteresse – oder die Ansicht: Schon wieder so ein Spinner...
chexx Sind Sie sehr enttäuscht darüber, dass Ihnen nicht alle Firmen geantwortet haben?
Jürgen Sprenzinger Nein. Warum sollte ich? Ich beantworte ja auch nicht jeden Brief. Das ist jedem freigestellt und wenn ich wegen jedem Brief, den ich bisher geschrieben habe – und ich versichere Ihnen, es waren bislang sehr viele – über die fehlende Antwort enttäuscht gewesen wäre, dann müsste ich heute depressiv oder ein seelischer Krüppel sein. Davon bin ich weit entfernt.
chexx Von welcher Firma hatten Sie sich am ehesten ein phantasievolles Antwortschreiben erhofft und wie hätte das aussehen können?
Jürgen Sprenzinger Wenn ich ein Buch dieser Art mache – und es ist ja bei Gott nicht das erste – dann habe ich überhaupt keine Erwartungen. Ich erhoffe nichts, da ich nicht aus finanziellen Gründen schreibe, auch wenn mir das schon mal unterstellt wurde. Ich will einfach nur den Leuten die Augen öffnen und aufzeigen, von welchem Schwachsinn wir heute in unserer so genannten modernen Konsumgesellschaft oft umgeben sind. Ich will einen Spiegel vorhalten, die Dinge ad absurdum führen und vor allem aber eines: Die Menschen zum Lachen und zum Nachdenken anregen. Und das ist ganz sicher keine neue Idee, schon gar nicht von mir, denn es gab eine Menge berühmter Komiker bzw. Satiriker, die das sehr gut konnten – ich erinnere hier nur mal an den unvergessenen Ephraim Kishon. Hm – wie ein phantasievolles Antwortschreiben aussehen könnte? Schwierige Frage, denn Phantasie ist ein relativer Begriff – der eine hat sie, der andere nicht. Ich fand diese Schreiben gut, die auf meine Briefe eingegangen sind.
chexx Gab es dürftige Antwortschreiben, die Sie nicht in Ihr Buch aufgenommen haben?
Jürgen Sprenzinger Klar gab es die. 
chexx Hatten Sie nie Bedenken, es mit großen Firmen wie zum Beispiel Haribo oder Coca-Cola aufzunehmen? Immerhin sind Ihre Briefe oft ein unangenehmer Spiegel, den Sie den Unternehmen vorhalten.
Jürgen Sprenzinger Nein, hatte ich ehrlich
gesagt nie. Bei keinem einzigen meiner Bücher. Ich sage Ihnen auch
weshalb: Schreibt man solche Briefe, wie ich es gerne mache, dann
gibt es ein paar Grundregeln, die man durchaus auch im täglichen
Leben beherzigen sollte, als da sind: Verletze nie jemanden
ernsthaft, beleidige niemanden, gib jedem die Gelegenheit, sein
Gesicht zu wahren, packe das Ganze in Humor und bleib über der
Gürtellinie. Und im Übrigen: Man kann einem Menschen alles sagen –
es kommt nur auf den Ton an: Ich nehme an, wenn Ihr Mann zu Ihnen
sagen würde: Blöde Kuh, was hast du denn heute wieder für
einen Mist gekocht??
, dann wären Sie stocksauer und es wäre
der beste Anlass für einen handfesten Ehekrach. Würde er Ihnen aber
sagen: Liebling – die Suppe gestern war viel besser
,
dann wüssten Sie auch Bescheid und alles wäre Eiapopeia.
chexx Haben Sie einen bestimmten Leser oder Lesertypus im Kopf, den Sie ansprechen wollen?
Jürgen Sprenzinger Eigentlich nicht. Meine
Bücher – und das haben die letzten zehn Jahre bewiesen – wurden von
allen Altersstufen und durch alle gesellschaftlichen Schichten
hindurch gelesen und ich sage das nicht ganz ohne Stolz.
Zwischenzeitlich lachen sogar die Kinder der Mütter darüber, die
vor gut zwölf Jahren mit dem Sehr geehrten Herrn
Maggi
ins Bett gingen...
chexx Wollen Sie die Leser in erster Linie unterhalten, oder auch etwas bewegen?
Jürgen Sprenzinger Wissen Sie: Ich war schon als Kind ein Clown. Der Humor ist mir in die Wiege gelegt und in erster Linie will ich die Leute zum Lachen bringen, indem ich die Dinge einfach umdrehe oder den Sinn eines Satzes/Wortes zerpflücke. Ich hatte da einen großen Lehrmeister: mein großes Vorbild Karl Valentin. Ich bedauere nur, dass er schon tot war, als ich geboren wurde. Und ich wäre ein schlechter Clown, würde ich die Menschen nicht auch zum Nachdenken anregen. Sicher würde ich auch gerne etwas bewegen, ob es mir jemals gelingt in diesem Leben, steht in den Sternen. Doch würde man mich fragen, was, dann würde ich antworten: Leute - mehr Eigenverantwortlichkeit, mehr Hilfsbereitschaft, weniger Raffgier, Geiz und Neid. Geht wieder mehr aufeinander zu, denn das Leben ist begrenzt und mitnehmen kann keiner etwas – und last but not least: Wir leben nur einmal, also genießt jeden Tag.
chexx Wird es ein weiteres Buch zum Thema
Absagen auf unverlangte Stellenangebote
geben?
Jürgen Sprenzinger Nein, ganz sicher nicht. Das
wäre ja dann so wie der Weiße Hai II
– oder
Rocky V
– also ein Aufguss. Muss und will ich nicht
machen, denn die Ideen gehen mir so schnell garantiert nicht aus
und fast jede Woche fällt mir was Neues ein. Man muss nur mit
offenen Augen durchs Leben gehen.





















