Interview
Heike Makatsch: Auszurasten ist doch nicht etepetete, sondern normal...
Von Constantin | 05. Juli 2006    Drucken eMail

chexx Wie und wann sind Sie das erste Mal auf die Geschichten des Gespenstes HUI BUH gestoßen?

Heike Makatsch Als ich klein war bei Freunden, die Kassetten davon rumliegen hatten. Am meisten ist mir da das Cover aufgefallen mit diesem Geist, der sehr, sehr realistisch aussah, gar nicht wie eine Comic-Figur. Ich fand dieses Skelett mit dem Kopf unterm Arm richtig gruselig. Als kleines Mädchen hatte ich wirklich Angst davor, diese Kassetten waren deshalb nicht meine allererste Wahl.

chexx Was haben Sie als kleines Mädchen denn mit Begeisterung gelesen?

Heike Makatsch Astrid Lindgrens Bücher, z.B. Die Kinder von Bullerbü, dann Peter Härtling, daran erinnere ich mich noch, also an Bücher, in denen sich Mädchen das erste Mal verlieben. Besonders gefiel mir Ben liebt Anna.

chexx Sie spielen die Gräfin zu Etepetete. War das für Sie ein Problem, mal die Bösewichtrolle zu übernehmen?

Heike Makatsch Im Gegenteil, das macht doch besonderen Spaß, mal das Gegenteil von dem zu machen, was andere vielleicht von einem erwarten, und dann noch in so einer comic- und comedyartigen Form.

chexx Haben Sie lange darüber nachgedacht, wie Sie die Figur am Besten präsentieren könnten?

Heike Makatsch Da die Gräfin zu Etepetete sehr stilisiert ist, die Figur also kein realistisches Vorbild hat, habe ich mir schon überlegt, ob ich das an irgendwas anlehnen könnte. Deshalb hab ich mir dann Glenn Close angeguckt in 101 Dalmatiner oder die Rolle der gemeinen Madame Medusa in Bernhard und Bianca - die Mäusepolizei. Da habe ich mir ein paar Inspirationen zusammengeklaubt. Und dann war da ja auch noch die Perücke, das Kostüm und natürlich der Text, der mich sehr gut geführt hat.

chexx Sind Sie eigentlich in irgendeinem Bereich etepetete?

Heike Makatsch (lacht) Ich glaube eigentlich nicht wirklich, aber das ist ja immer alles relativ. Vielleicht würde das jemand anderes von mir behaupten, ich weiß es nicht.

chexx Sie haben mir früher mal erzählt, wie Sie ausgerastet sind, als damals in Ihrer Londoner Wohnung plötzlich eine Kakerlake quer durchs Zimmer latschte.

Heike Makatsch Da sieht man mal, dass das wirklich relativ ist. Da auszurasten ist doch nicht etepetete, sondern normal, denke ich.

chexx Als Sie an den Set kamen, was fiel Ihnen da zuallererst auf?

Heike Makatsch Diese wahnsinnigen Bauten. Das war alles so realistisch, dass ich wirklich dachte, in einem riesigen Burgschloss zu sein. Eine perfekte Märchenwelt, da muss ich den Hut ziehen vor den tschechischen Bühnenbildnern.

chexx Haben die Menschen in Prag Sie eigentlich erkannt, auf der Straße oder wenn Sie in eine Kneipe gegangen sind?

Heike Makatsch Nein, hatte ich nicht das Gefühl, aber das hab ich nirgendwo, egal wo ich bin, auch in Berlin nicht. Ich fühl mich überall sehr unbehelligt.

chexx Wenn Sie im Rückblick an Prag denken, was schießt Ihnen da durch den Kopf?

Heike Makatsch Knusprige Enten. In Prag bin ich sehr auf den Geschmack gekommen, Ente zu essen. Und weil man ja, wenn andere gerade drehen, viel Zeit mit sich alleine verbringt, habe ich schon die eine oder andere Ente verspeist.

chexx Wären Sie eigentlich im wirklichen Leben gerne ein Gespenst, mit all den Fähigkeiten, die ein Gespenst auszeichnen?

Heike Makatsch Nein, ich bin ganz froh, dass ich mit den Behinderungen eines Menschen ausgestattet bin. Ich beneide ein Gespenst nicht darum, dass es unsichtbar ist und dann mitbekommt, was die anderen über es sagen. Ich finde, dass die Grenzen, die mir gesetzt sind, auch einen guten Grund haben.

chexx Und das ewige Leben? Würden Sie das gerne haben?

Heike Makatsch Auch das nicht. Dass wir das nicht haben, gibt uns eine Perspektive und Konzentration auf das Hier und Jetzt.

chexx Sie hatten einige Drehtage zusammen mit Hans Clarin. Ihr Eindruck von ihm?

Heike Makatsch Hans Clarin war ein echter Sonnenschein am Set. So lebendig, so sprühend voller Esprit, Witz und Schalk, dass ich nie das Gefühl hatte, dass das Ende schon so nah ist. Obwohl er körperlich schon ziemlich gebrechlich war, hat ihn das nicht davon abgehalten, richtig frech zu sein und zu flirten. Er machte Komplimente und entzog einem das Kompliment ein Satz später wieder. Er war ein ganz außergewöhnlicher Mensch.

chexx So eine Riesenproduktion mit einer Figur, die später im Computer animiert wird, ist keine leichte Kiste für einen Regisseur. Hat Sebastian Niemann das gut gemacht?

Heike Makatsch Ja, er ist toll. Was er da für eine riesige Maschinerie gestemmt hat, wie er die gesamten Techniken beherrscht hat, das war schon eindrucksvoll. Obwohl er genau wusste, was er will, hat er uns viel Freiraum gegeben und dann trotzdem im richtigen Moment gesehen, wenn ein Knopf an einem Kleid nicht so gut passte. Das hat einem ein sehr sicheres und gutes Gefühl gegeben.

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