chexx Wie sind Sie mit dem Projekt Mit
Herz und Hand
in Berührung gekommen?
Anthony Hopkins Ich hatte vor mehr als 20
Jahren mit Roger Donaldson in Tahiti und Neuseeland bei Die
Bounty
gearbeitet. Danach verstrichen die Jahre und wir
sahen uns lange nicht wieder. Irgendwie verspürte ich Lust, ihn
anzurufen, um herauszufinden, wie es ihm ginge. Als ich ihn am
Telefon hatte, schien er nicht im Mindestens über meinen Anruf
überrascht zu sein. Er fragte einfach: Tony, hast du meine
Nachricht gehört?
Ich erwiderte: Nein.
Daraufhin erzählte er mir, dass er gerade eine Nachricht auf meinem
Anrufbeantworter gesprochen hatte. Um was geht's?
,
fragte ich. Ich habe ein Drehbuch für dich. Rufst du etwa
nicht an, weil du meinen Anruf beantworten willst?
Ich
verneinte und erklärte, dass ich meine Nachrichten an diesem Morgen
noch gar nicht abgehört hatte. Er sagte: Na, gut, dann ist
das hier ein toller Zufall und in jedem Fall günstig. Denn ich habe
hier ein Drehbuch mit dem Titel
Mit Herz und Hand
. Es
ist eine wunderbare Geschichte. Würde dich interessieren, einen Typ
zu spielen, der Motorradrennen fährt? Einen
Motorradrennfahrer?
chexx Wie war es, wieder mit Regisseur Roger Donaldson zusammen zu arbeiten?
Anthony Hopkins Bei den Dreharbeiten zu
Die Bounty
hatten wir mitunter schon mal Reibereien.
Roger hat seine eigene Art, mit Leuten umzugehen. Er ist
Neuseeländer und ich bin Engländer. Er war anders als die
Regisseure, die ich bis dahin kennen gelernt hatte, ich war jünger
und arrogant. Wie das so ist. Ich hatte keine Geduld mit Menschen
damals, vor allem nicht mit Regisseuren. Wenn sie zu viele
Wiederholungen forderten, begann ich, unbequeme Fragen zu stellen.
Und Roger hat jede Menge Wiederholungen machen lassen, er ist ein
Perfektionist. Seitdem sind 20 Jahre verstrichen, und ich bin nicht
nur toleranter geworden, sondern respektiere auch, was er tut - was
Regisseure tun. Schließlich tut er alles, weil er einen Grund dafür
hat. Ich weiß, dass er einen guten Film machen will und mir ist es
egal, ob man für eine Szene 50 Wiederholungen drehen muss.
Natürlich hoffe ich immer, dass es dazu nicht kommt, einfach, weil
es viel Zeit ist. Aber ich respektiere ihn als Regisseur und mag
ihn als Mensch, er ist ein richtig guter Typ. Es ist großartig, mit
Roger Donaldson als Regisseur zusammenzuarbeiten. Er gehört zu den
besten Regisseuren, mit denen ich gearbeitet habe. Ich habe mit
Steven Spielberg und Oliver Stone gearbeitet und er gehört in
diesen Kreis. Er ist - Filme wie No Way Out - Es gibt kein
Zurück
und Thirteen Days
zeigen es - ein
wunderbarer Regisseur.
chexx Fühlen Sie eine seelische Nähe zu Burt Munro?
Anthony Hopkins Ich bin kein
Geschwindigkeitsfreak wie Burt Munro. In dem Dokumentarfilm, den
Roger Donaldson über ihn gemacht hat, sieht man deutlich, dass Burt
die Geschwindigkeit liebte. Ich weiß nicht, ob er besessen von ihr
war, aber er liebte den Nervenkitzel bei hoher Geschwindigkeit. Er
hat einmal gesagt, dass man in fünf Minuten auf einem Motorrad, das
Höchstgeschwindigkeit fährt, mehr lebt als im ganzen Leben. Das war
für mich die Herausforderung. Ich nehme an, dass es wohl Menschen
gibt, die mit ihrer Sterblichkeit flirten.
Aber genau darum geht es: Die Überwindung von Angst
erfordert wohl den größten Mut. Burt Munro war einer dieser Typen,
die sich damit auskannten. Seine Lebensphilosophie bestand darin,
aus dem Vollen zu leben. Wenn du tot bist, bist du das für
lange Zeit
, sagte er und Wenn du erst mal tot bist,
kommst du nicht wieder
. Persönlich bin ich kein Typ für den
Geschwindigkeitsrausch. Ich bin ein vorsichtiger Fahrer, ich mag
Tempo nicht besonders. Früher war das anders. Aber heute ist mir
mein Leben wichtiger.
chexx Wie haben Sie sich der Rolle genähert?
Anthony Hopkins Ich bin langsam in die Rolle
hinein geschmolzen. Zunächst habe ich mir einen neuseeländischen
Akzent angeeignet. Auch hier war die Zusammenarbeit mit Roger sehr
angenehm. Er setzte mich damit nämlich nicht unter Druck, sondern
sagte: Hör mal, da unten in Neuseeland kritisieren sie
vielleicht deinen Akzent, aber im Rest der Welt kommst du damit
durch. Außerdem ist das wirklich nicht so wichtig, mach es einfach
so, wie du es für richtig hältst. Du bist Burt Munro.
Natürlich hat er aber trotzdem ein Ohr dafür gehabt und mir
Ratschläge gegeben: Sprich die Vokale flacher aus und pass
auf dein R auf.
Wenn ich Burt Munro in Dokumentarfilmen
sprechen hörte, sprach er für mich wie jemand aus Cornwall, aus
Irland oder Devon. Er hatte wunderbar runde Rs in seiner
Aussprache. Eben wie jemand aus Cornwall.
chexx Hatten Sie Einfluss auf das Drehbuch?
Anthony Hopkins Es ist ein gutes Drehbuch. Roger hat es geschrieben, und ich habe Kleinigkeiten hier und da hinzugefügt. Nichts war in Stein gemeißelt. Aber es war ein gutes Buch und man musste nicht die Struktur ändern oder hat sich über bestimmte Zeilen auseinandergesetzt. Manchmal habe ich bestimmte Dialogsätze geändert, weil sie mir beispielsweise auf Neuseeländisch nicht locker über die Lippen kamen.
chexx Wie würden Sie Roger Donaldsons Regiestil beschreiben?
Anthony Hopkins Es ist gut, wenn ein Regisseur
Gelassenheit ausströmt. Es hilft keinem, herumzukreischen und zu
schreien - ganz gleich, ob es sich um einen Schauspieler oder einen
Regisseur handelt. Ich gebe zu, dass ich das früher getan habe.
Gereiztheit sollte man immer außen vor lassen, anstatt sie
öffentlich auszuleben. Manche Regisseure sind sehr lautstark und
lärmend, sie schreien und kreischen und kein Mensch kann dabei
arbeiten. Aber mit diesem Team gab es so etwas nicht. Es gehört zu
den bestens Teams, mit denen ich über die Jahre hin gearbeitet
habe. Jeder hat seinen Job gemacht, seinen Text gelernt, während
die Beleuchter das Licht eingerichtet und die Tonleute ihren Kram
vorbereitet haben, die Requisiteure und Kostümleute ... jeder hat
ohne viel Aufhebens seine Arbeit gemacht. Es ist schließlich ein
Job und ich habe gelernt, Respekt vor der Arbeit anderer zu haben.
Vielleicht war auch Burts Geist um uns. Er war ein anständiger,
lustiger Mann und ich mochte seinen wundervollen Sinn für Humor.
Ich finde manche seiner Aussprüche einfach großartig. Er schätzte
beispielsweise Frauen und hat Sachen gesagt wie: Ein paar
nette Ladys bringen die Party schon in Schwung.
Ich liebe
diesen Typen Burt, er war eine große, großartige Persönlichkeit und
ein großzügiger Mann.






















