
Atlas der Globalisierung. Das 20. Jahrhundert, 100 Jahre auf 100 Seiten: Meinungsstark in Text und Schaubild, überraschend in der inhaltlichen Auswahl und lehrreich in den Details. Dieser Atlas ist eine deutsch-französische Koproduktion wie das Blatt dahinter, die Monatszeitung Le Monde diplomatique, die der taz beiliegt,. Für die deutsche Ausgabe ist viel von dem französischen Original übernommen, aber längst nicht alles. Einige Texte sind neu hinzugekommen: Zum Beispiel wurde das erste Drittel dieses Atlas, vom Zerfall der alten Reiche bis zu Maos langem Marsch an die Macht, durch eine Doppelseite über Deutschlands Kriege in Ost- und Südwestafrika ergänzt. Und im zweiten Teil, der sich mit den folgenreichen Konfrontationen nach 1945 befasst, sind die Beiträge
Rebellionen gegen den Staatssozialismusund
Mauerfall und neue Grenzenhinzugekommen. Manche Doppelseite wurde gar nicht erst übersetzt, sondern gleich neu geschrieben: Michael Wildt, Geschichtsprofessor an der Humboldt-Universität Berlin, hat zum Beispiel zwei Texte zur NS-Geschichte verfasst; Stefan Wolle, wissenschaftlicher Leiter des DDR-Museums in Berlin, erzählt die Geschichte der DDR; der Philosoph Otto Kallscheuer schreibt im dritten Teil des Atlas, in dem es um die großen sozialen und kulturellen Revolutionen des 20. Jahrhunderts geht, über
Tod und Auferstehung der Religionenoder der taz-Autor Christian Semler über
Europas Verstrickung in das Nazisystem. Adolf Buitenhuis, verantwortlich für Umschlag, Gestaltung und Herstellung, hat die rund 130 Karten bearbeitet, in gedämpftere Farben getaucht und manches Schaubild neu entworfen. Ein hervorragend gemachter Atlas, der jeden an Geschichte interessierten begeistern wird.
