Er tötet Vögel und Frauen mit blondem Haar. Am Tatort hinterlässt er grausame Inszenierungen: Rasiert den Schädel der Frauen, sticht ihnen die Augen aus und
legt einen toten, ausgeweideten Dompfaff (Vogel) auf den Bauch der Opfer. Nils Trojan und sein Team haben kaum Zeit, sich ein Bild zu machen, da schlägt der Federmann wieder zu - bis der Kommissar dann selbst ins Visier des Täters gerät. In seinem ersten Krimi Der Federmannzeigt Max Bentow, dass aus Berlin auch spannende Psycho-Thriller kommen können. Das Buch ist bereits jetzt sehr erfolgreich.
CHEXX Sie waren bereits als Dramatiker erfolgreich. Was hat Sie gereizt, einen Psycho-Thriller zu schreiben?
Max Bentow Ich hatte schon immer einen Fable
für die Kriminalliteratur und habe schon seit längerer Zeit über eine eigene Ermittler-Figur nachgedacht und habe mir versucht auszumalen, welche Vorlieben diese Figur haben könnte, welche Ängste, welche verborgenen Wunden und so hat sich ganz allmählich in meinem Kopf die Figur von Hauptkommissar Nils Trojan verdichtet. Irgendwann stand er buchstäblich vor mir und hat mir gesagt: Schreib dieses Buch, schreib mich auf!
CHEXX Geht es Ihnen ähnlich wie anderen Autoren, dass diese Figuren, die Sie erschaffen, quasi leben und auch ein Eigenleben entwickeln?
Max Bentow Ja, also Nils Trojan ist wie ein Kumpel für mich geworden und mir sehr ans Herz gewachsen, also auch eine sehr wichtige Figur in meinem Leben.
CHEXX Wie gehen Sie organisatorisch an so ein Buch heran?
Max Bentow Bevor ich anfange das Buch zu schreiben, muss ich die ganze Story ganz fest im Griff haben. Ich muss mich im Seelenleben meiner Figuren auskennen, aber auch die gesamte Spannungsdramaturgie im Kopf haben. Ich muss also genau wissen, wo ich einen Cliffhanger
setze, wo ich eine falsche Fährte lege; ich muss sogar wissen, wie die Figuren aussehen, was sie für Kleidung tragen und wie sie sprechen. Wenn ich das alles zusammen habe, also einen ganzen Stapel an Notizen, dann ist für mich der Punkt erreicht, wo ich sage: Jetzt leg' ich los!
CHEXX Das ist ein heftiger Psychopath, den Sie sich als Täter ausgedacht haben, der Vögel und Frauen tötet und dies auch grausam inszeniert. Was hat Sie dazu inspiriert?
Max Bentow Ich bin ganz von meinen eigenen Ängsten ausgegangen. Ich habe große Angst vor diesem Moment, wenn Vögel in einem geschlossenen Raum herumflattern. Dieses Flügelschlagen löst bei mir fast panikartige Zustände aus. Ich habe mich dann mit anderen Leuten darüber unterhalten und festgestellt, dass viele Menschen unter dieser Angst leiden. Irgendwann habe ich mir gesagt, wieso soll sich der Mörder in meinem Buch sich diese Ängste nicht zu Eigen machen? Außerdem hat der Mörder eine große Affinität zu Vögeln, das sollte aber hier nicht weiter ausgeführt werden, um nicht zu viel vorweg zu nehmen.
CHEXX Sie stellen den Mörder nicht nur als Bestie dar, sondern offenbaren auch die Abgründe dieses Menschen. Ist Ihnen das wichtig?
Max Bentow Ja, es ist eine kranke Seele und ich finde, ein Kriminalautor, sollte nicht nur eine spannende Geschichte erzählen, sondern auch aufzeigen, wie es zu solchen Deformationen eines Mörders kommen kann.
CHEXX Bei Nils Trojan verhält es sich ähnlich, er ist nicht nur der Held, er hat auch mit sich selber zu kämpfen. Wie wichtig ist Ihnen dieses Spannungsfeld?
Max Bentow Der leicht gebrochene Held, der mit einer persönlichen Krise zu kämpfen hat, ist beim Schreiben natürlich sehr viel reizvoller, als der glatte Held, der Supermann, der sofort alles lösen kann. Als ich über Nils Trojan nachgedacht habe, bin ich auf das Prinzip Hart und Zart
gekommen. Ich habe mir gesagt, das ist ein harter Typ, ein harter Bulle
, mit einem harten Job, den er auch gut macht, aber er hat auch etwas zartes, beinahe zerbrechliches. Das besondere an ihm ist, dass er Angst hat - Angst in seinem Job. Doch er traut sich nicht diese Angst seinen Kollegen gegenüber zu zeigen, denn Angst ist tabu bei der Kripo. Diese Angst reicht teilweise bis hin zu Panikattacken, mit Schweißausbrüchen und Atemnot, mitten im Einsatz. Das behindert ihn natürlich und deswegen muss er sich privat eine Hilfe suchen und geht zu einer Psychologin, Jana Michels, in die er sich im Verlauf der Handlung unsterblich verlieben wird.
CHEXX Ein Buch lebt von der Spannung - was ist für Sie dabei das Entscheidende? Dass Sie den Leser überraschen?
Max Bentow Ja, das macht natürlich auch ein bisschen Spaß, den Leser auf eine falsche Fährte zu locken. Die Spannung muss man bis zu Ende aufrecht erhalten, das ist die große Kunst bei so einem Buch.
CHEXX Der Federmann
spielt in Berlin, was hat Sie dazu bewogen diese Stadt als Schauplatz zu wählen?
Max Bentow Berlin ist meine Heimatstadt, dort bin ich geboren und aufgewachsen. Das Viertel, in dem ich selber lebe, in Kreuzberg, an der Grenze zu Neukölln, ist auch genau das Viertel, in dem Nils Trojan ermitteln muss. Und Berlin ist auch eine unglaublich spannende Stadt und somit wie geschaffen für den Schauplatz meines Romans.
CHEXX Wird es einen weiteren Fall von Nils Trojan geben?
Max Bentow Auf jeden Fall. Das zweite Buch ist schon fast fertig und mein Verlag plant, es im nächsten Herbst herauszubringen. Der dritte Band ist in Planung und ich glaube, dass es eine unglaublich spannende, neue Krimi-Reihe wird.
