CHEXX Sie haben schon früher mit Regisseur David Mackenzie gearbeitet. Warum gingen sie nach England zurück, um wieder mit ihm zu drehen?
Ewan McGregor Ich hatte mit David Young Adam - Dunkle Leidenschaft
gemacht. Er hatte ein fantastisches Drehbuch dafür geschrieben, und die Arbeit mit ihm war sehr kreativ und der Film war wunderbar. Er ist ein sehr interessanter Filmemacher, der etwas Einzigartiges, Besonderes an sich hat. Er ist nicht einfach ein Auftragsregisseur, er hat ein echtes visuelles Gespür und verleiht seinen Filmen eine wirkliche Stimmung. Kurz: Er ist großartig. Als er mir das Drehbuch schickte, habe ich es sofort geliebt - seine Charaktere, sein Grundkonzept, die Vorstellung einer kompromisslosen Liebesgeschichte von zwei Leuten, die fast wider besseres Wissen ihre Gefühle füreinander entdecken.
CHEXX Leben wir in einer zynischen Zeit, in der wir der Liebesgeschichten müde sind? Oder können diese noch eine Rolle spielen?
Ewan McGregor Ich habe immer gerne Liebesgeschichten gemacht. Ich mag Romanzen, fühlte mich immer zu ihnen hingezogen und werde ihrer nie müde werden. Hier geht es um ein mächtiges Gefühl. Wenn du dich in jemand verliebst, ist das wunderbar, es ist eine physische und emotionale Erfahrung, die dich ganz und gar gefangen nimmt. Eine Erfahrung, die wir als Menschen sehr mögen. Deshalb glaube ich nie, dass wir es jemals überdrüssig sind, solche Geschichten zu erzählen. Zugegebenermaßen gibt es seit langem eine gewisse Befangenheit, wenn es um Liebesgeschichten geht. Man kleidet sie ins Gewand der Komödie. Es gibt viele romantische Komödien, aber ich interessiere mich schon immer mehr für Filme, die einfach romantisch sind, ohne dass es einem peinlich wäre oder man so tun müsste, als wären sie etwas anderes.
CHEXX Wie war es, mit Eva Green zu arbeiten?
Ewan McGregor Fantastisch. Sie ist großartig und interessant - als Mädchen und als Schauspielerin. Ihre Rolle hat wirklich viel von ihr verlangt. Ich mochte sie sehr. Zunächst als Person, sie hat viel Witz und einen trockenen, schrägen Humor, was ich sehr mag. Wir begannen unsere gemeinsamen Proben in Glasgow und es war sehr aufregend, nach Schottland zurückzukehren. Für sie war es, glaube ich, das erste Mal, und so war es hübsch, ihr Schottland und Glasgow zu zeigen. Gleich am Anfang der Proben wusste ich, dass wir miteinander klarkommen würden. Wir arbeiteten eine gute Woche an den Szenen und wir verstanden uns großartig.
CHEXX In Ihrer Rolle als Küchenchef sehen Sie sehr überzeugend aus. Wie stark haben Sie dafür recherchiert?
Ewan McGregor Ich bin selbst kein Koch - weiß nicht einmal, wie ich Gemüse hacke. Ich habe auch keine Ahnung, was für Sachen zusammen gehören. Ich mag gutes Essen, aber ich bin definitiv kein Gastronom. Deshalb musste ich das Kochen lernen - oder zumindest, das Wissen, wie man kocht. Mir war klar, dass dafür zwei Wochen Proben nicht ausreichten. Deshalb verbrachte ich in Glasgow Zeit mit ein paar tollen Chefkochs. Ein paar Tage und Nächte war ich in der Küche von Guy Cowans. Ich hatte bloß Vorkenntnisse als Tellerwäscher. In Crief, wo ich aufwuchs, gab es ein Hotel namens Murray Park - da arbeitete ich ab meinem 14. Lebensjahr zwei Jahre lang als Tellerwäscher, dann wurde ich Kellner und Barkeeper. So wusste ich, wie eine Küche funktionierte und dass die Chefkochs absolute Arschlöcher waren - sie waren immer furchtbar, keine Ahnung warum. Und zuletzt verbrachte ich ein paar Nächte als Servicekraft bei Guy’s in Candleriggs. Zuletzt fuhren wir dann in ein Restaurant im Norden. Letztlich ging es nur um die Details. Und ich habe das alles genossen. Leider habe ich seither nicht mehr am Herd gestanden. Der Film hat mich nicht zum großen Koch gemacht (lacht).
CHEXX Ewen Bremner war von den Dingen, die er in punkto Kochen lernte, sehr angetan - zum Beispiel, dass man seinen Finger in eine kochende Soße stecken kann, ohne sich zu verbrennen.
Ewan McGregor (Lacht) Klar, wenn du schnell genug bist, verbrennst du dich nicht. Abgesehen von Öl. Denn das klebt an deiner Haut fest.
CHEXX Wie war es, zum dritten Mal mit Ewen zu arbeiten?
Ewan McGregor Großartig. Ich mag es sehr mit ihm zu arbeiten, mochte es schon immer. Wir haben so eine schöne gemeinsame Tradition. Er ist ein toller Schauspieler. Wir machten einige schrägen Sachen in der Küche - zum Beispiel die Wahnsinnsszene, wo er mit dem Essen einige echt ekelhafte Dinge anstellen musste. Und er hat sich voll hineingestürzt. Ich erinnere mich, wie er sich einen Fünfliter-Kanister mit Öl in den Mund goss und dann die Butter hinterher. Oh, das war widerlich. Aber er war toll. Und es hat mich sehr gefreut, mit meinem Onkel Denis zu drehen, was ich schon immer wollte. Wir haben unsere Beziehung für das enge Verhältnis zwischen Michael und dem Restaurantbesitzer nutzen können, das war klasse.
CHEXX Worin besteht nach Ihrer Ansicht die Aussage des Films?
Ewan McGregor Vor kurzem las ich ein Drehbuch, das mir jemand geschickt hatte und ich dachte mir: Das ist nur ein Film. Er könnte ganz gut sein, aber dann kapierte ich plötzlich: Die Geschichte bediente sich bei anderen Filmen; sie orientierte sich an einer Vorstellung dessen, was das Publikum mag. Perfect Sense
dagegen hat nichts davon. Dieser Film ist wirklich seltsam, bizarr, er ist ‚f**king’ durchgeknallt, brillant. Ich liebe seine ganzen Wendungen. Ich mag Michael. Er erinnert mich ein wenig an das Stück Frankie and Johnnie in the Clair de Lune
. Lustigerweise dreht es sich um einen Küchenchef. Er und seine Partnerin landen im Bett, ohne dass sie eine Beziehung haben. Das ganze Stück über versucht er sie zu überzeugen, dass dies die große Liebe ihres Lebens sein könnte. Ihr dagegen reicht es mit den Männern und sie hält ihn erst für einen Idioten.
CHEXX Ist das Ende des Films glücklich? Ist es traurig? Oder ein trauriges Ende mit positiver Botschaft?
Ewan McGregor Für mich war es immer hoffnungsvoll. Es ist kompliziert, auch schrecklich, garantiert nicht fröhlich. Aber gleichzeitig besitzt es Hoffnung, für mich hatte es etwas Erhebendes. Am Schluss strecken beide die Hand nacheinander aus. Sie wissen, dass sie einander ehrlich lieben. Als ich es las, habe ich das richtig mitempfunden. Ich habe geweint, weil es so schön war.
