
Vanessa Paradis, Jahrgang 1972, drehte mit 16 Jahren ihren ersten Spielfilm. Zuvor hatte sie sich bereits einen Namen als erfolgreiche
Popsängerin (Joe le Taxi
) gemacht. 1990 erhielt sie für ihre Rolle in Weiße Hochzeit
einen César als Beste Nachwuchsdarstellerin sowie den Prix Romy Schneider. Zu ihren legendären Filmpartnern zählen Jeanne Moreau, Alain Delon, Jean-Paul Belmondo sowie Gérard Depardieu. Mit letzterem spielte sie in Elisa, der ihr 2000 eine César-Nominierung als Beste Hauptdarstellerin einbrachte. Vanessa Paradis, die weiterhin mit großem Erfolg als Sängerin arbeitet, ist die Lebensgefährtin von Johnny Depp und Mutter zweier Kinder. Ab dem 6. Januar ist sie in Der Auftragslover
zu sehen.
CHEXX Was veranlasste Sie, an diesem Projekt mitzuwirken?
Vanessa Paradis Ich fand das Drehbuch sehr lustig. Und es hat mich verzaubert. Normalerweise neige ich ja eher zu dramatischen Geschichten, doch die Ideen des Regisseurs gefielen mir. Dass Alex von Romain Duris gespielt werden sollte, fand ich klasse - obwohl es mich überraschte, weil er normalerweise auch nicht in solchen Filmen mitspielt. Als die Dreharbeiten anfingen, war ich richtig nervös, weil ich die nüchternste Rolle hatte.
CHEXX Empfanden Sie es als Herausforderung, einen Film zu drehen, der ein Mix aus Romantik, Spionage und Action ist?
Vanessa Paradis Ein bisschen skeptisch war ich schon, als der Dreh begann. In einem Drama mitzuspielen und Dinge aus mir herauszuholen, die schmerzhaft sind, fällt mir nicht schwer. Doch in Der Auftragslover
ist ständig irgendwas los, und die Dialoge müssen perfekt getimt sein. Wenn man es übertreibt, wirkt es schnell lächerlich. Subtilität ist deshalb oberstes Gebot.
CHEXX Haben Sie sich vor Ihrer Tanzszene mit Romain Duris gefürchtet?
Vanessa Paradis Ich wusste, dass eine Menge Arbeit und viele Proben auf mich zukommen. Trotzdem habe ich mich darauf gefreut - auch wenn ich Lampenfieber hatte. Wir haben hart gearbeitet und viel gelacht.
CHEXX Wie haben Sie ihre Rolle angelegt?
Vanessa Paradis Dem Regisseur und mir schwebte der Glamour der Hollywoodfilme der 40er und 50er Jahre vor. Pascal stellte sich Juliette nicht als laszive Raubkatze vor, er wollte, dass sie peppigen Glamour ausstrahlt. Deshalb spielte ich Juliette ziemlich streng und energisch. Dafür fiel meine Kleidung umso glamouröser aus. Ich trug häufig hohe Absätze, die meinem Gang etwas Ultrafeminines verliehen. Mit diesen Schuhen konnte ich gar nicht anders, als sehr aufrecht zu gehen und mit den Hüften zu wackeln.
CHEXX Wie war die Zusammenarbeit mit Ihren Kollegen?
Vanessa Paradis Romain zu beobachten, wie der die verschiedenen Facetten seiner Figur spielte, als hätte er sein Leben lang nichts anderes gemacht, war beeindruckend. Im Film musste er bestimmt in mehr als 15 unterschiedliche Berufe und Identitäten schlüpfen. Er traute sich einiges, ging dabei aber nie zu weit, blieb stets subtil. Mit ihm zu spielen, war ein einziges Vergnügen. Außerdem fand ich es großartig, ein paar Monate mit Julie Ferrier und François Damiens zu verbringen. Die beiden haben mich sehr beeindruckt.
CHEXX Was halten Sie von Alex' Job als professioneller Auftragslover?
Vanessa Paradis Wenn es der Auftrag erfordert, entzweit Alex Paare. Freudlose Paare, die sich mit ihrem Unglück abgefunden haben, lässt er in Ruhe. Er greift nur ein, wenn die Frau leidet. Ist doch eigentlich ein ganz guter Deal...
